Nahe der Natur

Mitmach-Museum für Naturschutz

Freinatur - Raumkonzept

ist das Konzept zum konkreten "Nahe der Natur-Freiraum" Staudernheim
und eine Flächen-Umsetzung der allgemeinen Vision von "Freinatur"


Das Konzept ist eine Eigenentwicklung (Autoren: Impressum) - hier als Text (Vertiefungsinformation) für Interessierte:


7 Grundzüge zum besonderen Freiraum-Konzept


Wir sind "Nahe der Natur" und haben 7 Grundzüge entwickelt, die in ihrer Kombination ein besonderes eigenes Flächenkonzept für gutes Naturerlebnis und hilfreichen Naturschutz zugleich ergeben. Das ist umsetzbar in Schutzgebieten, Parks, aber auch (größeren) Gärten und Brachen. Das Flächenkonzept wurde nach Lückenanalyse und in laufender Erfahrung mit Naturschutzes abgeleitet und wird im eigenen Freigelände modellhaft umgesetzt. Gewonnene Erfahrungen fließen in das Konzept laufend ein.

 

(1)  „Wildnis“! Die Natur wird in einem Großteil frei sich selbst überlassen. Ein "Prozessschutz" - auch im Kleinen. Nennen wir es ein "Fenster zur Wildnis". Das ist eine Besonderheit in Vergleich zu verbreiteten Flächen- und Landschaftsformen.

         

(2)  Naturgarten! Kleine (randliche) Teile und der Übergang zur „Wildnis“ werden sanft und geländeangepasst als Naturgarten gestaltet – persönlich nach Geschmack, aber auch mit Anregungen für Andere. Frei gestalten!

 

(3)  Naturschutz! Aus (1) und (2) folgt ein spannendes Ausstattungs-Spektrum, so dass das Gelände als Lebensraum für heimische Tiere und Pflanzen dient - mit eigenem "Natur-Prinzip":

Dabei werden in der Regel keine künstlichen Elemente eingebracht, die natürlicherweise nicht zum Standort gehören würden: zum Beispiel keine Schaffung von Wasserlebensräumen auf natürlichen Trockenstandorten, auch wenn dies verlockend wäre. Keine Verlegung von Kalksteinen auf basenarme Böden, auch wenn die Artenvielfalt auf Kalk  größer wäre (dafür gibt es auf sauren böden andere spezialisierte Arten). Das Potenzial des gegebenen Standortes wird erkannt - und zugestanden. Ein jeder Standort ist auf seine Weise so schön - einzigartig.

Schon früher bestehende Anlagen oder auch Fremdbaumarten werden aber möglichst belassen. Sie gehören zur Geschichte und Eigenart des Ortes. Speziell für Wildnis gilt, dass Natur nie rückwärtsgewandt interpretiert wird. Was früher gewesen ist oder wäre, ist heute nicht mehr relevant. Wildnis beginnt ab dem Zeitpunkt des Loslassens - ohne Manipulation. In den Naturgarten-Bereichen hingegen darf und soll weiter gestaltet werden - aber mit und nicht gegen die natürlichen Gegebenheiten vor Ort.

 

(4)  Naturerlebnis! Etwa gleichermaßen wie dem Naturschutz dient das Gelände dem stillen Naturerlebnis und persönlicher Naturerfahrung. Dafür gibt es 2 Zugangsarten (5, 6) in unterschiedlichen Bereichen des gleichen Gebietes, dazu aber immer auch einen unzugänglichen „Tabu-Raum“ für Naturschutz pur. Alle Zugangsarten ergänzen einander, kommen also gleichzeitig im Raum vor, und dienen unterschiedlichen Geschmäckern und einem Interessenausgleich.

 

(5)  Zugangstyp 1: Wandelpfade – ein besonderes Lenkungskonzept (Vertiefung unten)! ‚Freinatur’ ist zugänglich, auch wenn es nur einen Eingang und nur bestimmte Öffnungszeiten geben mag (Schutz von Vandalismus). Das besondere sind betont schmale gewundene Natur-Pfade, die mit breiteren Aufenthalts-Plätzen (dort fallweise Info- und Erlebnisstationen) ein durchdachtes System bilden. SSie geleiten sanft zu den schönsten Plätzen, ohne Natur zu zerstören. Das Pfad- und Platzsystem steht in Kontrast zu den breiten schnellen Wegen der Normallandschaft. Es geleitet zur Entschleunigung!


(6)  Zugangstyp 2: Querfeldeinbereich! Ergänzend zum Pfadsystem gibt es einen Querfeldeinbereich. So wird auch ein freier Denk-, Abenteuer- und Spielraum bereitgestellt und größtmögliche Freiheit ermöglicht. Das kann auch im Kleinen erfolgen.

 

(7)  Freiheiten / einfache Regeln! Den Besuchern wird im Gegensatz zu manch anderen Einrichtungen relativ große Freiheit und Eigenverantwortung zugestanden, so dass sie selbst bestimmt, aber behutsam durch diese Natur gehen. Nur wenige Regeln vor allem beim Pfadsystem sind unabdingbar. Es gibt für verschiedene Geschmäcker und Vorkenntnisse sowohl (Ein)Führungsangebote als auch freie Bewegungsmöglichkeiten - mit oder ohne Geländeplan, sowie vertiefende freiwillige Info- und Mitmach-Angebote.

 

Eine solche ‚Freinatur’ ist keine offizielle Flächenkategorie, aber eine eigene Nische und ergänzt sinnvoll bestehende Flächenschutzkonzepte. Im Gegensatz zu größeren „Wildnisflächen“, offiziellen Schutzgebieten oder gar Nationalparken liegt es meist in Siedlungsnähe und ist eher klein oder mittelgroß (Staudernheim: 7,5 ha), jedoch so groß, dass wenigstens ein Teil außerhalb der Sicht- und Hörweite von Infrastruktur liegt. Damit ermöglicht es gewisse Lebensräume und (Teil)Prozesse der Natur, kaum aber umfassende Ökosysteme. Es betont Naturgenuss nah an den Menschen, ist aber wiederum im Unterschied zu bestehenden naturnahen Spielräumen/Erlebnisgebieten/Naturerfahrungsräume deutlich natürlicher und auch für Naturschutz selbst da. Unsere Freinatur in Staudernheim illustriert modellhaft eine Umsetzung (folgend).


Insgesamt gibt es damit ein abgestuftes System von mehr oder weniger intensiver Nutzung, Gestaltung/Pflege, von begehbarer und unbegehbarer „Wildnis“, was den Modellcharakter des Geländes für Naturschutz unterstreicht, auch wenn in der Kulturlandschaft die Verhältnisse sonst gerade andersherum sind: (Fast) Alles ist ja in unserer heutigen Zeit genutzt! Hier gibt es also Modell und eine Gegenwelt zugleich – Ruhe und Kraft – Gefühl und Verstand – Genießen und Nachdenken - Nahe der Natur.    

 

Das besondere Zugangs- und Pfadkonzept: Wandelpfade

 

Schmale Natur belassene Pfade durchziehen Naturgarten und Wildnis. Sie führen zu schönsten Plätzen, zu Info- und Mitmach-Stationen, die in unregelmäßigen Abständen und gerne nach Kurven folgen (Überraschungseffekte). Eine Einladung zum Wandern, besser gesagt zum Wandeln: frei und selbst bestimmt von einem Platz zum anderen und sich dabei vielleicht selbst ver-Wandeln, wahrhaft menschlich: Lust Wandeln – Freinatur will kommen!

 

Wir bezeichnen unsere Pfade aus mehreren Gründen als Wandelpfade: Weil sie so schön schmal und gewunden sind. Weil man auf ihnen so lustvoll und entspannt wandeln kann. Weil sie zum entspannten und bewussten Gehen und Spazieren einladen. Weil sie angesichts von natürlichen Wurzeln und Steinen dazu anregen, besonders aufmerksam zu gehen, in anderen Abschnitten aber auch einen regelrecht sanft durch den Wald tragen, ja fast schweben lassen. Weil sie traumhaft und Natur belassen sind - und sich entsprechend natürlich verändern. Weil von ihnen aus die Wandlungen in der Natur (und von sich selbst?) so gut zu beobachten sind. Weil sie auf angenehme Weise anders als übliche Wanderwege sind, auch wenn der Unterschied genau betrachtet nur ein einziger Buchstabe ist. Vom Wandern zum Wandeln - und umgekehrt. Einfach Schlendern und Entdecken: Wandelpfade!

 

Das Wandel-Pfad-System bietet immer frei kombinierbare Runden oder Stichwege. Je nach Geschmack gibt es verschiedene Zugangsmöglichkeiten. Solche verschiedene Zgänge sind wichtig - die Menschen (zum Glück) untersschiedlich:

(1)  Spontan einfach losgehen: Das Wegesystem ist gut sichtbar, aber nicht aufdringlich beschildert. Je nach Lust und Laune lässt man sich von einem Platz zum anderen gemütlich treiben. Und wer genug hat: Der jeweils schnellste Weg zurück ist an jedem Platz ausgeschildert.

(2)  Gezielt mit Karte / Plan, die es am Einstieg zum kostenfreien Ausleihen gibt: Ein Jeder kann sich seine eigene Kombinationen zusammenstellen und gezielt Plätze ansteuern. Vielfältige Runden sind möglich. Spontanes Gehen (1) und gezieltes Ansteuern (2) sind natürlich auch kombiniert möglich.

(3)  Geführt oder moderiert mit Erläuterungen. Dieses ist besonders für Menschen geeignet, die unsicher sind oder auch für all diejenigen, die viel mehr erfahren möchten. Eine Person ist als zumindest zeitweise vor Ort und ansprechbar. Menschen für Menschen - Natur menschlisch!


Die Pfade sind dezent naturnah, aber gut erkennbar markiert und ausgeschildert. Sie enthalten die interessanteste mögliche Wegeführung, ohne allerdings dabei die Natur zu stören. Diese Pfade dürfen auf keinen Fall verlassen werden. Dieses ist aus Sicherheitsgründen für die Besucher selbst, zur Störungsvermeidung in der Natur und damit zum Wohle Aller erforderlich.

Um aber dennoch, wo immer möglich, Freiheiten zu ermöglichen, gibt es im Pfadsystem viele Rastzonen, Ruhe- oder Erlebnis-Plätze oder breitere Abschnitte, innerhalb derer dezent markierter Außengrenzen sich die Besucher frei und quer bewegen können. Wandel-Pfade und Plätze samt mehrerer frei wählbarer Abzweigungen bilden ein durchdachtes System: schöne Plätze genießen und Natur intensiv erleben - und dennoch wenig (zer)stören. Ein nicht betretbarer Tabu-Raum ist dabei auch wichtig und akzeptabel.

 

Für das Pfadsystem gibt es aus guten Gründen immer auch wenige Regeln (so wenig wie möglich), die von Allen einzuhalten sind (siehe konkret Freiraum Staudernheim). Das gilt nicht für den Querfeldeinbereich, für den es nur ein paar Hinweise gibt.


Entschleunigung: Kommt mal runter!

- Naturzeit ist gute Lebenszeit mit oder trotz Zeit-Geist


Wir möchten in unserem Gelände und mit einem solchen Flächenkonzept zeigen, dass Natur auch mit viel Tiefe und Spaß erlebt werden kann, ohne gleich außergewöhnliche Sportarten, aufregende „Selbsterfahrungs-Trips“ oder spannende Rekordjagden mit den Naturkulissen zu verbinden.


Hier werden die Felsen nicht beklettert. Hier werden die Pfade nicht mit schicken Rädern in Rekordzeit bezwungen. Hier gibt es keine Baumseilgärten. Wir haben nichts gegen solche Aktivitäten – sie haben ihre Berechtigung uns sogar unsere Sympathie. Aber es gibt sie bereits vielerorts. Echte Stille-, Ruhe- und Krafträume sind hingegen selten geworden. Sich einfach mal an Felsen, Bäumen und Blumen zu erfreuen, ohne gleich etwas mit ihnen aktiv zu machen, sie zu bezwingen oder sie zu nutzen, auch das ist wichtig. Kleine Wunder (wieder) entdecken, anstatt hastend zum nächsten Höhepunkt zu rasen, dazu möchten wir besonders anregen. Und gerade dafür ist hier der Freiraum: Freinatur also in vieldeutigem Sinne.


Klingt für Manchen vielleicht langweilig? Muss aber nicht: wir zeigen auch kreative Möglichkeiten und Zugänge auf, wie Jeder, der sich dafür öffnen möchte, Natur ganz persönlich spüren, erleben, betrachten kann – gerade auch mal im Gegensatz zur üblichen sportlichen Hektik unserer Zeit. Das kann an kleinen Mitmach-Stationen oder in Führungen erfolgen, selbst bestimmt oder angeleitet, so wie man möchte. Wir können und wollen keine großartigen Sensationen zaubern, aber wir zeigen stille kleine Wunder der alltäglichen Natur auf, wer sie denn sehen oder spüren möchte. Und das in einem einzigartig vielfältigen und „wilden“ Kleinod an Freinatur.

 

Frei Natur: frei und wild, recht persönlich, oft überraschend, stets faszinierend.

- Hier geht es zur konkreten Umsetzung, dem Freigelände "Nahe der Natur" in Staudernheim.


Übertragungen und Variationen


- Wenn Interesse besteht, ein solches Konzept auch auf andere öffentliche oder private Orte zu übertragen, sprecht uns bitte an: wir bieten nach Absprache ausdrücklich an, solche Pfadkonzepte und Freiräume für Naturschutz und Menschen für Träger aller Art auch woanders zu gestalten oder dabei (konzeptionell) zu helfen - oder, wenn dies ausdrücklich gewünscht wird, auch zu übernehmen: Erst-Kontakt ganz einfach an: info@nahe-natur.com - Einstieg dazu auch in unserer Outdoor-Gestaltungs-Angeboten.